Seit einiger Zeit wird versucht das Konzept “Cloud” in der IT-Welt zu platzieren. Dabei greift beispielsweise Microsoft auf sehr unverständliche Werbespots zurück. Sicher hat jeder schon einmal den Spot über das schlechte Foto gesehen, das in die Cloud geschickt wird und sich auf magische Weise in ein tolles Familienfoto verwandelt. Derartige Werbung geht nicht nur völlig an der Zielgruppe (IT-Administratoren) vorbei, sie vermittelt auch ein falsches Bild vom Nutzen und den Möglichkeiten der Cloud.
Aber was ist die Cloud nun? Wie kann ich sie zu meinem Vorteil nutzen? Diese Fragen möchte ich im folgenden Artikel klären.
Eine Begriffsdefinition
Wer sich näher mit dem Thema Cloud auseinandersetzt, wird schnell darauf stoßen, dass es um Virtualisierung von Computersystemen geht. Virtualisierung kennen wir aber nun schon recht lange. Wo ist denn nun das fundamental neue Konzept, das eine eigene Marketing-Kampagne rechtfertigt?
Die Schwierigkeit daran, den Begriff Cloud zu definieren ist, dass hier eher versucht wird eine Idee zu benennen. Ein Beispiel: Wenn ich vor einem Computer stehe kann ich, nicht feststellen, ob es sich um einen Server- oder einen Client-PC handelt, ohne mit ihm zu arbeiten. Der Unterschied liegt darin, dass der Server Dienste für Clients bereitstellt. Ähnlich stellt sich die Situation mit der Cloud dar. Sie ist Virtualisierung mit “ein bisschen mehr”.
Die Cloud vereint Virtualisierung mit (teilweise automatisiertem) Energie- und Ressourcenmanagement und erweiterter Ausfallsicherheit. Dadurch, dass nahezu alle Systeme virtualisiert sind, ist für den Klienten gar nicht wichtig, auf welcher Hardware er tatsächlich arbeitet. So können zum Beispiel bei geringer Last automatisch die benötigten Systeme auf wenigen physikalischen Maschinen zusammengefasst und der Rest ausgeschaltet werden.
Ist Cloud gleich Cloud?
Leider auch verfehltem Marketing geschuldet ist die Wahrnehmung, dass eine Cloud generell außerhalb des eigenen Rechenzentrums bestehen muss. Hier wird unterschieden zwischen der Private Cloud (oder in Microsoft-Terminologie die Hyper-V Cloud) und der Public Cloud. Bei der Public Cloud stehen die physikalischen Maschinen dabei in einem fremden Rechenzentrum, während die Private Cloud alleine im eigenen Haus arbeitet.
Welche Vorteile hat die Public Cloud?
Die Public Cloud nimmt dem IT-Administrator die Arbeit ab, Hardware beschaffen oder warten zu müssen. Er kann sich komplett auf die Administration der Software konzentrieren. Auch für Dienste, bei denen seltene, aber große Lastspitzen zu erwarten sind, ist die Public Cloud sinnvoll.
Ein fiktives Beispiel aus Sicht des KIT: Zu Beginn jedes Semesters müssen sich alle Studenten zu Seminaren anmelden. Die Anmeldung wird für alle Seminare gleichzeitig freigeschaltet und wer sich zu spät meldet bekommt häufig keinen Platz in den beliebten Seminaren. Um die Last abzufangen, muss das System auf ausreichend starker Hardware betrieben werden. Allerdings sprechen wir hier nur von wenigen Tagen im Jahr, in denen der Service überhaupt verwendet wird. Eine Public Cloud versetzt mich nun in die Lage, bei hoher Last weitere Rechenleistung hinzuzubuchen. Dadurch entstehen nicht das ganze Jahr unnötige Kosten.
Der größte Kritikpunkt an der Public Cloud sind generell Sicherheitsbedenken. Oft hört man davon, dass interne Daten nicht “in die Cloud” sollten. Die Sorge ist sicher nicht ganz unberechtigt. Die Daten liegen nicht mehr im eigenen Haus und können nicht unmittelbar kontrolliert werden. Bei einem seriösen Anbieter hält sich das tatsächliche Risiko allerdings in Grenzen. Es ist auch in der Public Cloud möglich (und sinnvoll) die eigenen Server mit Sicherheitssoftware auszustatten. Zusätzlich werden größere Rechenzentren von Fachkräften gesichert, die oft mehr Erfahrung mit der Materie haben, als die eigenen Administratoren.
Wir haben ein Rechenzentrum. Kann ich von der Cloud profitieren?
Abgesehen davon, Public Cloud und Private Cloud zu kombinieren, sollte jedes Rechenzentrum generell über den Aufbau einer Private Cloud nachdenken.
Speziell aus Sicht unserer Kunden, also Hochschulen, gibt es immer wieder Szenarien, die eine Private Cloud nahelegen. In der Regel hat nicht nur jede Fakultät, sondern sogar jedes Institut eine eigene Infrastruktur. Diese beinhaltet nicht nur Dienste wie Exchange oder File Server, die ohnehin in ein Rechenzentrum ausgelagert werden sollten, sondern gerade im Bereich Informatik auch viele starke Rechner für wissenschaftliche Berechnungen.
Diese Systeme werden nicht durchgängig benötigt, werden aber trotzdem für viel Geld angeschafft. Eleganter wäre hier der Weg in die Private Cloud. Der User kann beispielsweise über eine SharePoint-Seite ein Testsystem mit bestimmter Leistung anfordern. Es wird ein passendes Gastsystem gesucht und eine virtuelle Maschine eingerichtet. Nach einer gesetzten Zeit wird, wenn der User nicht widerspricht, die Maschine gelöscht und die Ressourcen freigegeben. Ein ähnliches Vorgehen ist auch für Software (z.B. Teile des Office Pakets, Adobe Reader, diverse Media Player, …) möglich. Das spart Lizenzen und hält die Client-Computer sauber. Letzteres Szenario bietet sich beispielsweise für Poolräume von Rechenzentren an.
Fazit
Man sollte sich nicht durch das Marketing der Cloud abschrecken lassen. Das Konzept bietet in seinen verschiedenen Ausprägungen viele Möglichkeiten. Generelle Virtualisierung der meisten Systeme empfiehlt sich ohnehin. Diese virtuellen Maschinen lassen sich gut über Microsofts System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) verwalten. Damit ist die Grundlage für die Hyper-V Cloud bereits gesetzt. Ob darüber hinaus Cloud-Funktionen eingesetzt werden, muss jedes Rechenzentrum für sich entscheiden. Aus meiner Sicht können die meisten Anwender von einer Cloud allerdings nur gewinnen.